Sozialverband VdK Bayern – Solidarität als Markenkern

Sozialverband VdK Bayern – Solidarität als Markenkern

Marke Der Sozialverband VdK Deutschland ist mit seinen 2,1 Millionen Mitgliedern der wichtigste Sozialverband der Republik und die stärkste soziale Bürgerbewegung Deutschlands. Die hat ihre Wurzeln im Freistaat Bayern. Heute hat allein der unabhängige Sozialverband VdK Bayern 745 000 Mitglieder und setzt sich angesichts von Altersarmut, Pflegenotstand und Diskriminierung vehement für Solidarität, Inklusion und soziale Gerechtigkeit ein.

Rama dama – Bayern nach der Stunde Null im Jahr 1945: Der Wahn der NSDiktatur war Geschichte, General Leutnant George Smith Patton jr. lenkte als Militärgouverneur die Geschicke im Freistaat, und zwischen den Trümmern des „Tausendjährigen Reiches“ hungerten die Überlebenden. Für ausgebombte Zivilisten, hilflose Kriegerwitwen, ausgemergelte Flüchtlinge und desillusionierte Kriegsversehrte schien die Situation schlicht ausweglos. Da ergriffen unerschrockene Menschen beherzt die Eigeninitiative und setzten Zeichen für Solidarität. „Eine Bretterkiste mit einer einfachen Schreibmaschine: So sah die erste ‚Büroausstattung‘ des VdK Bayern vielerorts aus“, sagt Dr. Bettina Schubarth, Pressesprecherin des Sozialverbands VdK Bayern beim Gespräch in der Münchner Geschäftsstelle.

Beratung und Betreuung der Kriegsopfer

Noch ohne Genehmigung der Militärregierung begann im Juni 1945 in Rosenheim der spätere VdKPräsident und -Landesvorsitzende Karl Weishäupl mit der Beratung und Betreuung der Kriegsopfer. Im Juli 1945 wurde dann diese erste „Betreuungsstelle für Kriegsopfer in Bayern“ genehmigt. Am 29. November 1946 erteilte das zuständige Staatsministerium des Inneren dem „Verband der Körperbehinderten, Arbeitsinvaliden und deren Hinterbliebenen in Bayern e.V.“ die Zulassung. Bei der Gründungsversammlung nur wenige Tage danach, am 4. Dezember 1946, wurde Max Peschel zum Landesvorsitzenden und Karl Weishäupl zum Landesgeschäftsführer bestellt.

„Jeden Morgen schaue ich mir noch vor dem Frühstück die Anzahl der Neuaufnahmen an. Meist sind es über 100 am Tag.“
Michael Pausder, Landesgeschäftsführer Sozialverband VdK Bayern e.V.

„Alles Gute kommt aus Bayern – ehe es an dieser Stelle aus dem Rest der Republik Zwischenrufe gibt – bei der Entstehungsgeschichte des VdK trifft es auf jeden Fall zu. Der VdK ist eine bayerische Erfindung“, sagt Michael Pausder, Landesgeschäftsführer des Sozialverbands VdK Bayern, mit einem Lachen. In Gedanken lässt der sympathische Endfünfziger den Blick aus dem Besprechungsraum über die Dächer von Schwabing gleiten. Pausder ist quasi mit dem Sozialverband aufgewachsen. „Mein Vater war schwerstkriegsversehrt und lebenslang eng mit dem VdK Bayern verbunden.“ Die Beratung und Betreuung der Kriegsbeschädigten sowie der Witwen und Waisen stand in den Anfangsjahren im Mittelpunkt der Arbeit des Vereins. „Damit war der Grundgedanke der Solidarität von Anfang an der Markenkern des Sozialverbands VdK Bayern“, so Pausder: „Daran hat sich bis heute nichts geändert.“ Die Kunde von der Gründung ging wie ein Lauffeuer durch die Lande. In den wenigen Wochen des noch verbleibenden Jahres 1946 fanden die ersten Tausend Mitglieder den Weg zu dem Verband. „Die Zulassung des VdK Bayern war übrigens auch Initialzündung für die Gründung des VdK in anderen Bundesländern“, ergänzt Michael Pausder.

 

„Als ungemein populäre und sympathische Präsidentin ist Verena Bentele für uns ein ausgesprochener Glücksfall an der Spitze.“
Dr. Bettina Schubarth, Pressesprecherin Sozialverband VdK Bayern

Einführung des Bundesversorgungsgesetzes

Neben der Absicht, kurzfristig den Ärmsten zu helfen, hatten die Männer und Frauen der ersten Stunde in Erinnerung an die Folgen des 1. Weltkrieges schon weitergehende Ziele vor Augen. „Aus unserer Jugend kannten wir noch den Drehorgel spielenden Veteranen mit dem Stelzfuß. Solch einen gesellschaftlichen Abstieg der Kriegsopfer wollten wir verhindern“, betonte der ehemalige VdK-Landesschatzmeister Willi Hofmann, der als gebürtiger Rosenheimer auch den VdK-Kreisverband seiner Heimatstadt leitete. Den vorläufigen Mitgliederhöchststand erreichte der VdK Bayern im Jahr 1954 mit 404 000 Mitgliedern. Größter politischer Erfolg des jungen Verbands war das Bundesversorgungsgesetz, das damals erst auf massiven Druck des VdK verabschiedet wurde. Das Gesetz wurde zur Basis für ein einheitliches Versorgungsrecht für alle Kriegsopfer im Bundesgebiet.

Wandel zum modernen Sozialverband

Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des VdK Bayern im Jahr 1956 gab der damalige Bundespräsident Theodor Heuss dem VdK keine große Zukunft: „Er möge verschwinden zu seiner erfüllten Zeit und nie wieder erstehen müssen“, sagte Heuss und verlieh damit seiner Hoffnung Ausdruck, dass Deutschland künftig keine Kriegsopfer mehr zu beklagen habe. Und in der Tat, die Mitgliederzahlen gingen langsam, aber stetig zurück, bis im Jahr 1985 der historische Tiefststand von 306 000 Mitgliedern erreicht war. Doch dann begann die zweite Aufbruchsphase in der Geschichte des VdK.

Öffnung des VdK Bayern für breite Bevölkerungsgruppen

„Nicht ohne Widerstand so mancher Kriegsveteranen öffnete sich der Verband für breite Bevölkerungsgruppen und bot allen Bürgerinnen und Bürgern sozialrechtliche Beratung und Vertretung vor Gerichten an: jüngeren und älteren Menschen mit Behinderung, chronisch Kranken, Rentnern und Arbeitnehmern“, skizziert Dr. Bettina Schubarth die Entwicklung. Die Umbenennung des Verbands in „Sozialverband VdK“ im Jahr 1990 war dann ein echter Meilenstein in der Geschichte. „Der einstige Kriegsopferverband hatte sich zu einem modernen Sozialverband weiterentwickelt“, so Schubarth, die seit 2007 gemeinsam mit Geschäftsführung und Vorstandschaft offensiv auf Politik und Medien zugeht, um soziale Missstände ungeschönt anzusprechen. „Als politisch, konfessionell und finanziell unabhängiger Verein sind wir mit unserem Kernthema soziale Gerechtigkeit Lobbyisten für die Menschen, die keine Lobby haben“, bringt es Michael Pausder auf den Punkt.

Verbandsname „VdK“

Der Verbandsname „VdK“ war ursprünglich eine Abkürzung. Gegründet wurde der Sozialverband VdK Deutschland im Jahr 1950 unter dem Namen „Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands e.V.“ Über die Jahrzehnte hat sich der Verband vom ehemaligen Kriegsopferverband zum modernen Sozialverband entwickelt, der für soziale Gerechtigkeit und Gleichstellung kämpft und sich gegen Sozialabbau einsetzt. Die Bezeichnung „Verband der Kriegsbeschädigten“ wird nicht mehr verwendet – die einprägsamen Buchstaben „VdK“ sind für Deutschlands größten Sozialverband mit mehr als 2 Millionen Mitgliedern geblieben. Heute heißt der Verband offiziell „Sozialverband VdK Deutschland e.V.“. Dies ist in der Satzung festgelegt.

Anwachsen zur starken Bürgerbewegung

Wie wichtig der Sozialverband VdK in Zeiten von Globalisierung und Neoliberalismus für die Menschen ist, zeigt die Mitgliederentwicklung des beitragsfinanzierten Vereins in Bayern. Im Jahr 2000 konnte das 400 000. Mitglied aufgenommen werden. Nur fünf Jahre später – im Jahr 2005 – wurde das 500 000. Mitglied begrüßt. Und jetzt gehören 745 000 Menschen im Freistaat dem VdK an. Damit hat der VdK doppelt so viele Mitglieder wie alle politischen Parteien in Bayern zusammen. „Auf diese Entwicklung können alle ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den 1800 Orts- und 69 Kreisverbänden stolz sein“, unterstreicht Pausder. Denn jeder Einzelne von ihnen habe seinen Teil zu der unglaublichen Erfolgsgeschichte des Sozialverbands VdK Bayern beigetragen. Der VdK Bayern – mit seiner Landesvorsitzenden Ulrike Mascher an der Spitze – sei bestens gerüstet für die Zukunft.

#RENTEFÜRALLE

Heiße Themen, derer sich der VdK annimmt und die den Politikern aller Couleur besonders in Wahlkampfzeiten eher unangenehm sind, gibt es zuhauf. VdK-Landesvorsitzender Horst Seehofer hat 2005 sein Amt nach nur einigen Monaten wegen Unvereinbarkeit mit der Position eines Bundesministers aufgegeben. „Schon als der damalige Arbeitsminister Norbert Blüm zu Protokoll gab, die Renten seien sicher, haben wir unsere gut begründeten Zweifel angemeldet“, sagt Dr. Bettina Schubarth. Zu Recht, wie sich zeigen sollte. Mittlerweile grassiert in Deutschland die Angst vor Altersarmut, und landauf landab stehen Rentner an den Ausgabestellen der Tafeln an, um kostenloses Essen zu fassen. „Das einstige Versprechen, von der gesetzlichen Rente anständig leben zu können, scheint nicht mehr zu gelten“ konstatiert Verena Bentele, die Präsidentin des Sozialverbandes VdK Deutschland und stellvertretende Landesvorsitzende des VdK Bayern. Nach Ansicht der sozial engagierten Ausnahmesportlerin schwindet in der Bevölkerung das Vertrauen, dass die staatliche Alterssicherung den einmal erarbeiteten Lebensstandard sichert. „80 Prozent der Erwerbstätigen gehen davon aus, dass sie später von ihrer Rente gar nicht oder gerade so leben können“, legt Bentele den Finger in die Wunde. Ihre Forderung: „Das deutsche Rentenversicherungssystem muss für die Zukunft fit gemacht werden!“ Dabei belässt es die Verbandschefin nicht bei abgedroschenen Phrasen. Ganz im Gegenteil. Unter dem Motto #RENTEFÜRALLE hat der VdK ein nachhaltiges Konzept erarbeitet, wie eine gerechte Rente konkret aussehen muss. Für alle. Heute, morgen und übermorgen.

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